Um „Heilpraktiker für Psychotherapie“ (oder auch „kleiner Heilpraktiker“) zu werden, müssen Sie drei Schritte gehen.

Sie benötigen: 

  1. eine theoretische Vorbereitung auf die Überprüfung beim Gesundheitsamt (hier steht „Diagnostik“, d.h. die Feststellung oder Bestimmung einer Krankheit im Vordergrund)

  2. eine psychotherapeutische Ausbildung in einem von Ihnen gewählten Verfahren (diese muss begonnen, aber noch nicht vollendet worden sein).

  3. Haben Sie 1) + 2) dann können Sie sich zur Prüfung beim Gesundheitsamt anmelden.

Haben Sie diese Prüfung bestanden, dann geht es um das "danach" - ein Schritt, an dem viele oft scheitern, da eine gute Ausbildung alleine noch keine Klienten bringt. Mehr dazu finden Sie unter Prüfung bestanden.

Falls Sie noch nicht sicher sind, ob dieser Beruf überhaupt etwas für Sie ist - hier gehts zum FAQ mit einem Erfahrungsbericht.

zu 1) Diagnostik erlernen

Diagnose (altgriechisch diágnosis = Unterscheidung, Entscheidung) bedeutet “Feststellung oder Bestimmung einer Krankheit”. Dies bedeutet, ein Heilpraktiker für Psychotherapie muss erlernen, welche Krankheiten es gibt (in eingeschränktem Maß), ob er diese Krankheit behandeln darf, und welche körperlichen Krankheiten (diese müssen zum Arzt) mit psychischen verwechselt werden könnten. Die Psychotherapie (dazu später) ist die Art der Behandlung einer psychischen = seelischen Krankheit.

Es gibt viele verschiedene Arten von Kursen, Unterrichtskonzepten und Schulen für die theoretische Ausbildung. Wichtig hierbei ist in meinem Empfinden: die reine Diagnostik nach ICD-10 (=”Internationale Klassifikation psychischer Störungen”) lässt sich in relativ kurzer Zeit unterrichten und erlernen - an der Universität verbringt man damit ein Semester. 

Welcher Unterricht passt zu mir? Ein Leitfaden:

  • Wie lange können Sie sich z.B. konzentrieren? 4 Std vs. mehrere Tage? Ich habe in vielen Ausbildungen, Workshops usw. festgestellt, dass das Zeitlimit für viele bei in etwa 4 Stunden liegt. Geht man darüber hinaus, “löscht” sich oft ein Teil des Gehörten. Macht man Fortbildungen, welche über viele Tage gehen, kann es sein, dass man am Ende ein absolutes Wirr-Warr im Kopf hat.

  • Wie viel Zeit haben Sie, das im Unterricht "erlernte"/gehörte Wissen nachzubereiten? Bedenken Sie bitte, dass man für Wissen eine gewisse “Verarbeitungszeit” braucht.

  • Wie wird unterrichtet (z.B. frontal, erlebnisorientiert, Gruppenarbeit uvm.)? Entspricht dies ihrem Lernstil? Hier ein Beispiel: Gruppenarbeit mag z.B. sehr gut klingen, allerdings kann dies für jemand der introvertiert ist, eher kontraproduktiv sein.

  • Mögen Sie eher kleine Unterrichtsgruppen? Oder Große? Oder lernen Sie lieber alleine im stillen Kämmerlein?

  • Und ganz wichtig: fühlen Sie sich in der von Ihnen angeschauten Schule / bei ihrem Ausbilder wohl?

Bitte vergleichen Sie Anbieter und prüfen Sie für sich, ob Sie ihren zukünftigen Ausbilder "verstehen". Um effektiv lernen zu können, ist es wichtig, dass Sie mit Ihrem Ausbilder "verbal auf einer Wellenlänge" liegen. Mir ist es deshalb ein Anliegen, dass Sie dies - auch in Bezug auf mich - für sich prüfen. Dies geht am einfachsten, indem Sie in einem Unterricht kostenlos "probesitzen" und in einem persönlichen Gespräch. Auch wichtig wäre, dass ihr Ausbilder genug klinische und psychotherapeutische Berufserfahrung mit sich bringt.

Unterricht im ZePP: Ich habe mich dafür entschieden, meine Kurse ein Mal im Monat kompakt (von Ende Juni 2019 - Anfang Februar 2020), aber mit einer “Nachtpause” zu unterrichten. Dies sind 4.25 Std Freitags 16-20.15 Uhr & 4 Std. Samstags 10-14 Uhr. Die Ferienzeiten sind davon ausgenommen.

Damit können Sie diesen Kurs gut neben der Arbeit oder der Familie machen und Sie haben die Möglichkeit, das Gehörte und im Kurs Erfahrene “zu verdauen”. Wer von weiter her kommt, kann in unserem Ort billig in verschiedenen Ferienwohnungen übernachten und sich eine Auszeit nehmen.

Direkt nebenan finden Sie die Ferienwohnung Hiemer und den Apfelhof Maurer. Gerne geben wir Ihnen weitere Empfehlungen.

Mir geht es darum, dass unsere Kursthemen im Langzeitgedächtnis, statt wie bei vielen von uns in der Schulzeit, im Kurzzeitgedächtnis landen.

Manchmal werde ich auch gefragt: "ich könnte das ja alles auswendig lernen" ... Ja, das kann man. Nur passt der Klient der vor einem sitzt leider oft nicht ganz in die ICD-10-Schablone hinein. Um wirklich gut Diagnosen stellen zu können, d.h. um eine (in diesem Fall psychische) Krankheit erkennen zu können, braucht es Gespür und ein gefühltes Verständnis, wie eine Krankheit aussieht . 

Klienten mit psychischen Krankheiten kommen meist nicht mit sichtbaren Symptomen in die Praxis, sondern man muss die Symptome im Gespräch herausfinden, und sich auf den Klienten einstellen ... und dies lernt man in meinen Augen besser in einem persönlichen Unterricht wo man auch mal Fragen stellen kann - und durch die therapeutische Ausbildung.

zu 2) Um praktizieren zu können, braucht man eine Therapiemethode

Gesetzlich gesehen sind Sie vollkommen frei darin, was Sie für sich erwählen, und wo Sie Ihre Ausbildung machen. Der "HP Psych" hat - anders als der approbierte Psychotherapeut - Therapiefreiheit und darf seine Therapieverfahren auf den Patienten abstimmen.

Er hat jedoch auch die Sorgfaltspflicht zu beachten, die besagt, dass er in den verwendeten Therapieverfahren umfassend ausgebildet sein sollte (dies geht, außer bei sogenannten "Werkzeugen", nicht in einem Wochenende!). Dies heißt im Klartext, dass er nichts mit seinen Patienten anstellen darf, was diesen schaden könnte... Nach erfolgter Zulassung dürfen Heilpraktiker für Psychotherapie mit allen psychotherapeutischen Methoden arbeiten.

Eine Ausbildung kostet Zeit (und auch Geld), und bedarf einiges an Energie welche man hineinsteckt. Deshalb sollte die von Ihnen erlernte Therapiemethode zu Ihnen passen. Denn nur wenn Sie authentisch sind, und von Ihrer/n Methode(n) überzeugt sind, fühlt sich ein Klient meines Erachtens bei Ihnen wohl. Für die Auswahl Ihres Verfahrens würde ich Ihnen raten, dass Sie Ihre zukünftigen Ausbilder genau prüfen.

Stellen Sie Fragen! Machen Sie eine Probesitzung (die Chemie muss stimmen). Achten Sie bitte darauf, dass Sie genügend praktische Übungszeit haben. Eine Therapiemethode erlernt man nur im Tun, im Praktischen, durchs Fehler machen und unter genügend Supervision. 

Aus Zeitgründen biete ich in Lindau nur psychotherapeutische Kurzfortbildungen an (in Planung).

In unserer Verbundschule in Gilching, ca. 1,5 Std von Lindau, können Sie die “ganzheitliche Bild-, Gestalt- und Traumatherapie (BGT)”, eine fundierte prozessorientierte Therapiemethode, in einem Jahr erlernen. Das Forum Gilching gehört meinem Vater, und ich habe das ZePP gegründet.

zu 3) Infos zur Prüfung

  • Wo kann ich mich anmelden?

Die Prüfung zum Heilpraktiker Psychotherapie wird vom Gesundheitsamt des Regierungsbezirkes abgenommen, in dem der Prüfling angemeldet ist, d.h. in der Regel ist dies Ihr Hauptwohnsitz.

Alternativ dazu gilt für die meisten Ämter in Deutschland, dass man sich für die Prüfung beim Gesundheitsamt (bzw. der Stadtverwaltung) anmelden kann, wo man seine zukünftige Praxis eröffnen möchte. Dies muss man bei der Anmeldung glaubhaft erörtern.

Dies ist z.B. für “Grenzgänger” interessant (z.B. zwischen Österreich und Deutschland), oder wer die Möglichkeit hat, beim Partner oder Bekannten / Freunden in der Praxis mit einzusteigen. Auch wichtig ist dies z.B. wenn man in einem anderen Bundesland und/oder Ort wohnt versus arbeitet (z.B. zwischen Bayern und Baden-Würtemberg). Gerne berate ich Sie hierzu in einem telefonischen Gespräch.

Ganz Schwaben (Regierungsbezirk Schwaben, der bayrischer Teil) wird in Augsburg geprüft. Hier geht es zum Landratsamt Augburg mit allen wichtigen Informationen zur Prüfung und den Gebühren. Anmelden müssen Sie sich beim Gesundheitsamt, wo Sie Ihre Praxis eröffnen möchten - oder wohnen.

Achtung Baden-Würtemberger:

  • Für die Prüfung in Baden-Würtemberg gelten besondere Vorraussetzungen in Bezug auf die psychotherapeutische Ausbildung (nicht die theoretische): sie benötigen eine zwei-jährige psychotherapeutische “anerkannte” Ausbildung. Diese muss nicht am selben Ort wie die theoretische gemacht werden.

    Diese Psychotherapie-Regel weicht von anderen Bundesländern, wie z.B. Bayern ab. Informationen hierzu finden Sie bei Ihrem zuständigen Landratsamt - bitte besprechen Sie dies mit ihrem Amt, da jedes Amt wie ich gehört habe etwas andere Vorstellungen hat.

  • Wo gehören Sie jetzt dazu? Ein Beispiel: alle Städte und Gemeinden der Landkreise Breisgau-Hochschwarzwald, Emmendingen, Konstanz, Lörrach, Ortenaukreis, Rottweil, Schwarzwald-BaarKreis, Tuttlingen, Waldshut sowie die Stadt Freiburg gehören zum Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald. —> Infoblatt des LRA (ohne Gewähr). Wenn Sie sich unsicher sind, rufen Sie ihr Gesundheitsamt an und bitten Sie um eine Zusendung der Unterlagen.

  • Unterschiede: schriftliche versus mündliche Prüfung

    Die Prüfung besteht aus einer schriftlichen Prüfung (28 Fragen im Multiple-Choice-Verfahren) und, bei Bestehen der schriftlichen Prüfung, einer mündlichen Prüfung ca. 2-8 Wochen nach der schriftlichen Prüfung. 

    In der mündlichen Prüfung ist nachzuweisen, dass der Prüfling „die Befähigung besitzt, Patienten entsprechend der Diagnose psychotherapeutisch zu behandeln.

    Dies bedeutet: er muss sich die Befähigung angeeignet haben, Menschen die an einer psychischen Erkrankung leiden, so zu behandeln, dass sie durch seine Art der Psychotherapie keinen Schaden erleiden. Und genau dies wird in der mündlichen Prüfung - meist anhand einer Fallgeschichte - auch abgeprüft. 

    Die schriftlichen Prüfungen finden in ganz Deutschland zwei Mal jährlich jeweils am dritten Mittwoch im März und in der zweiten Woche im Oktober statt. Bei Nichtbestehen einer der Prüfungen muss immer die schriftliche Prüfung noch einmal gemacht werden. Die Prüfung kann so oft wie Sie wollen abgelegt werden (und solange Sie die Gebühren dafür zahlen können).

    Vorraussetzungen, dass Sie bei der Überprüfung antreten können sind:

    • das 25. Lebensjahr und mindestens ein Hauptschulabschluss

    • ein polizeiliches Führungszeugnis (im Original und nicht älter als 3 Monate)

    • eine ärztliche Beglaubigung, dass Sie psychisch und körperlich in der Lage zur Ausübung dieser Tätigkeit sind. Ebenso muss bestätigt werden, dass Sie "suchtfrei" sind

    • und ganz wichtig: genügend Deutschkenntnisse

  • Brauche ich überhaupt eine Ausbildung?

Manchmal höre ich auch folgendes: die HP-Psych-Prüfung wäre zu bestehen, ohne dass man eine therapeutische Ausbildung gemacht habe. In Ausnahmefällen - und in manch einem Bundesland - mag dies wohl so sein, aber wollen Sie das wirklich? Ist dies (zukünftigen) Klienten und dem Berufsbild gegenüber gerechtfertigt? Mit dem Bestehen der mündlichen Prüfung dürfen Sie Klienten bzw. Patienten behandeln, und genau aus diesem Grund sollten Sie eine Therapieform beherrschen.